Auftakt Seifenserie "Historische Seifen" : Seife Nr. 1 Lilienmilchseife Anno 1890 (D)

"Die Seife ist ein Massstab für Wohlstand und Kultur der Staaten". Das wusste nicht nur Justus von Liebig. Wie früher so auch heute beschäftigen sich zahlreiche Hobby - und gewerbliche Sieder vielversprechende Rezepturen zu bauen, damit daraus herrliche Seifen entstehen. Es ist schön, dass diese Waschkultur am Leben erhalten bleibt und eine so alte Tradition, wie die Siederei es ist, der Menschheit nicht verloren geht.

Ich möchte mich mit dieser Serie der Seifenherstellung aus dem späten 19. bis anfangs des 20. Jahrhunderts widmen, vornehmlich in Europa. Geplant sind 4-6 Seifen, welche zur damaligen Zeit ein Stück Berümtheit genossen haben. Abrunden möchte ich meine Beiträge mit interessanten Links und Geschichten zur besagten Zeit. Ich werde mich wohl nicht an die damaligen Verfahren der Seifenherstellung halten, jedoch möchte ich mit den Inhaltsstoffen und der Beduftung möglichst authentisch bleiben.

Sollte sich mal ein Fehler in den Recherchen einschleichen, dann sei es mir verziehen, ich bin keine Historikerin und zumeist finden sich auch widersprüchliche Angaben. Die gezeigten Bilder in meinem Blog sind meine eigenen. Von mir adaptierte Seifenrezepturen teile ich jeweils mit der vorgestellten Seife.

Seife Nr. 1 Lilienmilchseife Anno 1890 (Deutschland)

Die Lilienmilchseife war Ende des 19. Jahrhunderts ein Verkaufsschlager. Ich habe zwei Manufakturen in Deutschland gefunden, welche die Lilienmilchseife hergestellt haben. Dies ist die Parfümfabrik Bergmann und Co. und das Hause Klar, welche deutschlandweit die älteste Seifenmanufaktur in Familienhand zu sein scheint.

Wer sich von der damaligen Werbung zur Lilienmilchseife ein Bild machen möchte, schaut sich hier um.

Die genaue Rezeptur der Lilienmilchseife konnte ich nicht ausfindig machen - Palmöl, Sonnenblumenöl und Kokosöl scheinen darin wohl enthalten gewesen zu sein und natürlich die Madonnenlilie Wurzel, welche der Seife auch den Namen gab. Die Duftkomposition, welche vornehmlich für Lilienmilchseifen verwendet wurde, habe ich in einem alten Buch ausfindig machen können. Genauer gesagt habe ich aus dieser Zeit zwei gefunden und mich dann für eine Duftmischung entschieden. Mir scheint zur damaligen Zeit waren die Duftmischungen insgesamt sehr komplex und es wurden vornehmlich ätherische Öle verwendet. Die Rezepturen der Düfte sind jeweils für 100kg Seife ausgegeben.

Hier nun meine  Lilienmilchseife:


Meine adaptierte Rezeptur:

35% Sonnenblumenöl ho, 30% Kokosöl Bio, 30% Palmöl aus nachhaltigem Anbau und 5% Rizinusöl.

Es scheint zur damaligen Zeit nicht üblich gewesen zu sein, Rizinusöl mit so kleinem Anteil zu verseifen - teilweise wird in den Büchern sogar davon abgeraten. Ich habe es trotzdem gemacht, da die Madonnenlilien Wurzel sehr teuer ist und wir heute wissen, dass Rizinusöl die Schaumkraft unterstützt. Das Sonnenblumenöl wurde damals für die Siederei heiss gepresst. Man wusste um die ranzstabilen und ranzanfälligen Öle.

Duft:

Geranium, Bergamotte, Sandelholzöl, Petitgrain, Lavendel, Rosenholzöl, Patchouli und Bittermandel.

Vorgehensweise:

Ich habe auf eine GFM von 500g zwei Madonenlilien Zwiebel gesäubert und klein geschnitten und in 200ml destilliertem Wasser weich gekocht. Einen Teil der Flüssigkeit habe ich für die Lauge weg genommen (Wasseranteil 1.1 im Verhältnis zu NaOH). Den Rest habe ich püriert und in den emulgierten Seifenleim gegeben. Ich hätte erwartet, dass die pürierte Zwiebel in der Seife sichtbar sein wird - aber Fehlanzeige. Die Seife ist glatt und einheitlich. Den Duft finde ich betörend herrlich und vielschichtig und begeistert mich über die Massen.


Das Schaumverhalten und das Hautgefühl nach dem Waschen ist bereits jetzt sehr vielversprechend.




Das ist sie nun die Lilienmilchseife, welche durchaus so beliebt war, dass man sie sich auch ins Gefängnis liefern liess. Die Lilienmilchseife gab es auch in der Schweiz. Die Firma Bergmann vertrieb sie hier unter dem Namen "Dada".  Den Namen hat sie nicht zufällig, wer mehr über den Dadaismus wissen möchte wird hier fündig

Die nächste berühmte Seife, welche ich vorstellen werde, ist die weisse Windsor Seife.

Nachtrag vom 04.09.2017 War Dada vor Dada da? 

Was war zuerst da? Die Dada Lilienmilchseife der Firma Bergmann oder Dada die Kunstbewegung. Diesem Dokument zu Folge war die Dada Lilienmilchseife zuerst da. Die Dada Kunstbewegung kam wenig später. Zitat Hugo Ball (ein Gründer der Dada Bewegung) am 14.07.1916 "Dada ist die Weltseele, Dada ist der Clou, Dada ist die beste Lilienmilchseife der Welt" .  Dada die Lilienmilchseife ist 1906 in die Schweiz gekommen.

Kommentare

  1. Liebe Sandra,
    toll es geht schon los mit den historischen Seifen und musste gleich etwas schmunzeln hatte ich doch gestern und schön öfters bei Klarseifen gelesen was dort so im Angebot ist. Sehr schön glatt ist Deine Lilienmilchseife, das Schaumbild verspricht viel pflegenden Schaum und die Duftmischung liest sich sehr interessant. Nun bin ich auf Deine nächste, die weisse Windsor Seife, gespannt.
    LG Henni

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    1. Liebe Henni
      Ich habe auch ein bisschen bei den Klarseifen gestöbert! Die Lilienmilchseife mit Quitte hört sich ja auch ganz interessant an. Die Seife schäumt wirklich üppig und für ihr zartes Alter ist sie schon recht mild. Ich bin ehrlich gesagt auch recht überrascht von diesem Ergebnis. Wäre interessant zu wissen, ob sich die Seife auch ohne die Madonnenlilien Wurzel so schön waschen würde. Danke für deinen Besuch bei mir und ich schick Dir viele liebe Grüsse
      Sandra

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  2. Liebe Sandra,
    ich bin sehr beeindruckt von Deiner der ersten Seife Deiner neuen Serie.
    Wo bekommt man denn Madonnenlilienwurzel her?
    Deine Geschichten sind genau so spannend zu lesen, wie Deine Seifen schön sind.
    Ganz großes Kompliment das ist sehr beeindruckend was Du da machst.
    lg.
    Sylvie

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    1. Liebe Sylvie
      Ich habe die Madonnenlilienwurzel bei Baldur bestellt. Sie waren aber recht teuer! Ich freu mich sehr über deine lieben Worte und deine Wertschätzung und sag danke für deinen Besuch bei mir.
      Liebe Grüsse
      Sandra

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  3. Hallo Sandra,
    Ich habe zwei Fragen:
    1. Warum heißt es LilienMILCHseife? Wird die pürierte Knolle als "Lilienmilch" bezeichnet?
    2. Was sollte die Madonnenlilie bewirken? Ist dazu was bekannt?
    Liebe Grüße
    Britta

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    1. Hi Britta
      Ja es ist pürierte Knolle der Madonnenlilie, daher rührt der Name. Ich finde, die Seife schäumt sehr schön damit - ob sie allerdings auch was bewirkt - weiss ich nicht. Als man damals die Lilienmilchseife vermarktet hat, wurde gesagt, sie mindere Flecken im Gesicht. Ich setze da mal ein sachtes Fragezeichen dazu, denn es ist ja eh umstritten, dass Zusätze in Seife, ausser besseren Schaum, sonst noch eine Wirkung entfaltet.
      Liebe Grüsse
      Sandra

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