Echte Rasierseife mit Hindernissen

"Rasierseifen" (extra in Anführungszeichen gesetzt) mit NaOH hab ich schon einige gemacht. Eine Rasierseife mischverseift erst eine. Eine Mischverseifte mit Myristinsäure und Stearinsäure noch nie.  Nach Studium von diversen Blogs und Seifenforen (aber auch Rasurforen ✌ ) hatte ich dann ein Rezept zusammen gestellt und die Erwartungen, welche an Rasierseifen gestellt werden, waren mir einigermassen klar.  Das eine Mischverseifung mit Stearin- und Myristinsäure im CP-Verfahren kein Spaziergang werden könnte, habe ich spätestens auch dann begriffen. Also war ich auch einigermassen vorbereitet - zumindest innerlich. Es wurde hektisch...soviel kann ich schon mal sagen. Bilanz: 1 kaputter Püri und aus CP wurde schlussendlich eine OHP Rasier-Seife. Hier die nicht wirklich rühmlichen Bilder meiner echten Rasierseife:




Innere Werte
Fette/Öle: Kokosfett bio, Rindertalg, Sheabutter, Mandelöl, Traubenkernöl, Myristin- und Stearinsäure (je 10%) und Rizinusöl
Art der Verseifung: Mischverseifung 80% NaOH und 20% KOH
Duft: Ätherische Öle: Zedernholz Himalaya und Grapefruitöl sowie Wachholder
Besondere Zusätze: Kaolin, Glycerin und Kammzug von Merino und Tussahseide

Die Herstellung

Das  Auflösen der Wolle/Seide in der NaOH/KOH Lauge  war unproblematisch. Die Lauge war sehr heiss. Die Stearin- und Myristinsäure konnte ich auch gut lösen in den Fetten, jedoch war die Temperatur der Fette recht hoch (ca. 60-70 Grad) und ich hatte einen sehr hohen Anteil an festen Fetten im Rezept. Ich habe die Öle und die Lauge so weit wie es möglich war, abkühlen lassen, aber die Verarbeitungstemperatur blieb höher als gewohnt (ca. 50 +/- Grad). Der Püri war schon drin, als die Lauge dazu kam und ich auf niedrigster Stufe ganz kurz püriert habe - binnen Sekunden hatte ich einen festen Klotz um den Püri rum, aussen und oben schwamm noch eine riesige Menge Öl. Als ich den Püri rausziehen wollte, riss dieser aus der Verankerung und blieb drin stecken! Nachdem ich da den Püri befreit hatte, ging ich mit einem 2. Püri ans Werk und ich würde mal sagen binnen weniger Sekunden mehr hatte ich die Konsistenz von Butter, welche direkt aus dem Kühlschrank kommt. Keine Chance hier noch irgendeinen Duft anständig einzurühren oder die Masse anständig verrührt zu bekommen. Also kam alles in den Crockpot und wurde heissverseift. Nach Abschluss der Verseifung kam noch ein bisschen Sauerrahm, Kaolin und Glycerin und Duft dazu.

Eine Heissverseifung scheint mir also unter diesen Umständen einfacher zu sein oder man rührt von Hand im CP Verfahren, vielleicht gelingt dies dann besser.

Die Seife ist schon schön fest und ein bisschen angetestet ist sie ebenfalls. Der Schaum bleibt schön dicke auf der Haut haften ist sehr sämig und läuft nicht davon. Die Klinge gleitet auch recht gut dahin.

Was ich ausserdem noch gelernt habe bei meinen Recherchen:

Eine "richtige" Rasierseife schäumt anders. Es ist nicht der Schaum, wie wir es von Handseifen kennen. Fans der Nassrasur schätzen es sehr, wenn der Schaum kleinporig cremig ist. Standhaft soll er sein und das am liebsten länger als 10 Minuten. Es soll eine üppige cremige Masse entstehen. Die Haut soll sich nach der Rasur angenehm anfühlen und nicht trocken sein.

Wie gehen Fans der Nasrasur vor? Der Schaum wird mit Pinsel ein paar Minuten lang aufgeschlagen. Danach wird der Schaum auf dem Bart aufgetragen und während mehreren Minuten werden die Haare und Haut eingeweicht. Gleichermassen gibt es wohl diejenigen, welche den Schaum direkt im Gesicht produzieren bzw. "aufschlagen". Durch das Einweichen der Haare und der Haut ist die Rasur milder, es soll gegen Rasurbrand helfen und die Rasur ist dadurch weniger irritierend für die Haut.

Diese Bestandteile sollte eine Rasierseife haben:

Stearinsäure
Stearinsäure hat einen Schmelzpunkt von ca. 68 Grad und wird in den Fetten geschmolzen. Es stabilisiert den Schaum und macht ihn fein, cremig und standhaft. Auch macht Stearinsäure die Seife sehr fest. Die Stearinsäure wird beim Berechnen des Rezeptes in die Fette miteinberechnet (Soapcalc: Stearic acid). In den Rezepten, die ich so gefunden habe, wird ein Anteil von 10-30% in die Rezeptur aufgenommen.

Myristinsäure
Myristinsäure hat einen Schmelzpunkt von ca. 55 Grad und produziert einen üppigen Schaum. Es wird im Rezept ebenfalls als Bestandteil in der Rezeptur miteinberechnet (Soapcalc Myristic Acid). Bei meinen Suchergebnissen sah ich Einsatzkonzentrationen von 5-10% . Myristinsäure wird als weniger wichtig gewertet, wie die Stearinsäure. Wie ich nachträglich erfahren durfte.

Bei der Auswahl der übrigen Fetten und Ölen sieht man zumeist die folgenden: Kokosfett, Babassu, Sheabutter, Mandelöl und tierische Fette.

Eine "echte" Rasierseife wird mischverseift. Meistens im Verhältnis 50/50 NaOH und KOH. Hier dürfen es aber durchaus auch andere Varianten sein.

Zusätzlich auf 500g GFM wird noch Kaolin und Glycerin beigeben (ca. je 1 EL). Das Kaolin und Glycerin sorgt dafür, dass die Klinge gut auf der Haut gleitet. Beim Kaolin gibt es jedoch auch unterschiedliche Ansichten - man vermutet, es könnte die Klinge stumpf machen.

Gerne werden Rasierseifen in Töpfchen gegossen, damit darin der Schaum mit dem Pinsel aufgeschlagen werden kann. Hat man keine Töpfchen, dann werden runde Formen bevorzugt, die kann man in Schälchen legen.

Ich habe meine Rasierseife nochmals aufgeschäumt:





So ein Schaum gelingt nicht mit unseren herkömmlichen Handseifen, selbst wenn sie mit dem Pinsel aufgeschlagen werden. Was nicht heissen soll, dass man sich nicht auch mit Handseifen rasieren kann, auch das gelingt super. Hier ist wohl der persönliche Geschmack und  die Vorliebe bei der Rasur ausschlaggebend.

Kommentare

  1. wunderschöner kleinporiger schaum!! ich habe auch am sonntag wieder eine rasierseife gemacht, ich mache es immer nur als HP und bin auch immer überrascht, wie fest es zuerst wird! püri war gar nicht drinn :-) im crockpot wird es dann aber schön flüssig und geschmeidig. noch dazu machte es mit ziegenmilch und diesmal die hälfte hafermilch, also die seife ist hellbraun auch mit tidiox drinn, was nicht stört, weil die eigenschaften gut sind. habe am ende mascarpone und auch joghurt hineingetan und neben kaolin diesmal auch reispulver. ich habe 40% koh und 60% naoh drinn. kanns du mir bitte vlt. per email verraten, wo du myristinsäure gekauft hast? unsere fettzutaten sind auch ähnlich, ich habe bissl oliven, reiskeimöl statt mandel und traubenöl in der seife. ich giesse es immer in die behälter aus denen verwendet wird. liebe grüsse und danke für deine blogberichte, ich lese sie gerne!

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    1. Der Crockpot war auch meine Rettung! Als CP ging da gar nichts mehr. Mein Myristin hab ich in einem Shop in der Schweiz gekauft, der leider seine Pforten vor kurzem geschlossen hat (Allerlei Praktisches) und nun bin ich selber auf der Suche, wo ich Myristin bestellen kann. Es ärgert mich sehr, dass ich nicht gleich grössere Bestände gekauft habe! Danke auch für die Erkärungen zu deiner Herangehensweise. Ich habe diese Charge z.T. in Behälter gegossen und ein paar Stücke auch nicht. So kann man sie immer noch nachträglich in Behältnisse reinlegen - je nach Vorliebe der Anwender. Falls Du irgendeine Quelle für Myristin findest, wäre ich froh, wenn du mich erhellen kannst. Dankeschön für deine lieben Worte zu meinem Blog und zu den Beiträgen - darüber hab ich mich riesig gefreut. Lg Sandra

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  2. Liebe Sandra,
    ich hatte letztes Jahr schon gelesen das eine Mischverseifung mit Stearin- und Myristinsäure im CP-Verfahren nicht so gut händelbar ist aber im OHP - Verfahren gut zu händeln ist. Ich habe mir auch schon lange ein Rezept zusammen gestellt aber ebenfalls noch nie umgesetzt habe, ich hatte alles als OHP vor. Schade das der Püri dabei kaputt ging aber Du hast die Rasierseife noch sehr gut im OHP - Verfahren gerettet. Schäumt die Seife nur mit dem Rasierpinsel oder schäumt sie auch wenn man sich die Hände damit wäscht?
    Liebe Grüße Henni

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    1. Liebe Henni
      Sie schäumt auch ein bisschen wenn man sie in den Händen dreht, aber nicht so sehr! Nur mit dem Pinsel wird der Schaum so feinporig und sämig und bleibt auf der Haut gut stehen. Mein Freund hat sie gestern zum rasieren getestet und findet die Klinge gleitet gut und die Haut fühlt sich danach sehr gut an. Weitere Erfahrungswerte stehen noch aus...
      Danke für deinen Besuch und viele liebe Grüsse aus dem Süden
      Sandra

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  3. Guten Morgen Sandra! Der Schaum schaut ja gigantisch aus und deine Beschreibung klingt toll!!!. Ich habe erst 1 x Rasierseife gemacht, auch Mischvereift aber nur mit Stearin, weil ich nicht an Myrstin rankomme. Die Herstellung war nicht so problematisch aber das Ergebnis ist auch nicht so berauschend :( Von Seifenbergen keine Spur.

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    1. Liebe LiSa
      Von Hand augeschäumt ist sie auch nicht so tolle mit dem Pinsel jedoch schon und macht genau den Schaum, den die "echten" Nassrasier Liebhaber mögen. Auch bin ich wirklich bereits jetzt recht zufrieden mit der Rezeptur bezüglich Hautgefühl nach der Rasur. Myristin kannst Du in England bestellen bei Soap Kitchen - das hat mir ein Vöglein gezwitschert. Meins war aus der Schweiz, doch leider gibts jetzt den Shop nicht mehr. Hab vielen lieben Dank für deinen Besuch und ich wünsche Dir noch eine schöne Woche. Lg Sandra

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  4. Touche. Outstanding arguments. Keep up the amazing spirit.

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    1. Guten morgen Sandra,
      auch wenn es kein Spaziergang war, ich beneide dich um diese tolle Seife!!! Die Inhalte
      sind so wunderbar und die Duftkomposition läßt mich ins Schwärmen geraten <3
      Mein erster Ausflug in die Rasierseifenwelt war nicht so von Erfolg gekrönt.... dafür
      darf sie jetzt als Haarseife herhalten hihi

      Liebe Grüße
      Tina

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    2. Liebe Tina
      Ja, ich bin auch froh, ist es Seife geworden. Zwischenzeitlich haben wir sie schon öfters ausprobiert und die Haut kommt damit gut zurecht. Ich glaube, ich wünschte sie mir noch schäumender, daher werde ich den Stearin Anteil beim nächstem Mal erhöhen. Als Haarseife könnte ich sie eigentlich auch mal testen.... ;-) Gute Idee - danke!
      Lg Sandra

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